BUDERUS’SCHE EISENWERKE

Aktie Buderus’sche Eisenwerke

Aktie über 200 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Wetzlar, 1. Februar 1952, # 104211

Abb. Firmensignet.
Nachkriegsausgabe zur Umstellung des Aktienkapitals von RM auf DM.

Aktie über 1.000 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Wetzlar, 1. Februar 1952, # 012568

Abb. Firmensignet.
Auflage: 13.000 St.
Nachkriegsausgabe zur Umstellung des Aktienkapitals von RM auf DM.

Aktie über 1.000 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Wetzlar, Januar 1955, # 018331

Abb. Firmensignet.

Aktie über 100 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Wetzlar, September 1965, # 302475

Abb. Firmensignet.

Buderus Aktiengesellschaft

Aktie Buderus AG

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, stempelentwertet rückseitig
Wetzlar, Mai 1992, # 002109

dito aufgedruckt „Muster“, ohne Kontrollunterschrift, kompletter Kuponbogen Nr. 1-20 (inkl. Erneuerungsschein), ansonsten nicht entwertet, # 000000

Aktie über 1.000 DM (20x50), DIN A 4 quer, ohne Kupons, stempelentwertet rückseitig
Wetzlar, Mai 1992, # 201359

dito aufgedruckt „Muster“, ohne Kontrollunterschrift, kompletter Kuponbogen Nr. 1-20 (inkl. Erneuerungsschein), ansonsten nicht entwertet, # 000000

Aktie über 2.500 DM (50x50), DIN A 4 quer, ohne Kupons, stempelentwertet rückseitig
Wetzlar, Mai 1992, # 502053

Die Wertpapiere stammen aus meiner Sammlung und sind unverkäuflich.
In dieser Auflistung fehlende Papiere besitze ich noch nicht, gerne erwarte ich Ihre Angebote.

Unternehmensgeschichte

Vorgeschichte (bis 1731)

Bereits 1678 erbaute die Familie Buderus als Erbpächter die ersten Hochöfen an der Waldschmiede in Hirzenhain. Die Geschichte der Firma Buderus begann in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, damals fand man besonders im Lahn-Dill-Gebiet sowie in Oberhessen zahlreiche Eisensteinvorkommen. Doch das Recht zur Erzgewinnung gehörte damals den Standesherren. Im Abbau von Erzen und deren Verhüttung sahen sie eine lukrative Einnahmequelle. Sie errichteten Eisenwerke und betrieben diese entweder in eigener Regie unter einem Hüttenverwalter oder verpachteten die Hütten- und Hammerwerke, um so eine feste jährliche Einnahmequelle zu haben.


Buderushaus
Buderushaus, Schlossstraße. In dem alten, um 1800 niedergelegten Naussauer Buderushaus wurde 1690 der Gründer der Buderus′schen Eisenwerke Wetzlar geboren. Ein Nachfahre baute das heutige Buderushaus „Anno 1800“

Einer dieser Standesherren, der unmittelbar in der Wetzlarer Umgebung wirkte war Friedrich Ernst Graf zu Solms-Laubach. Er gründete 1707 die nach ihm benannte Friedrichshütte nahe Ruppertsburg. Er erkannte die Chance, sich eine weitere Einnahmequelle zu schaffen, indem er das Eisenhüttenwesen, das durch den Dreißigjährigen Krieg zum Erliegen gekommen war, reaktivierte. Daher rief er im 1706 den Eisenhüttenexperten und Chemiker Friedrich Nicol Alberti in seine Grafschaft. Alberti, der auch Albertus genannt wurde, begann sofort damit, Gutachten und Baupläne anzufertigen, so dass im Frühjahr 1707 mit dem Bau eines neuen Holzkohlenhochofenwerkes mit angeschlossenem Gießereibetrieb begonnen werden konnte. Schon im Herbst desselben Jahres war das neue Werk fertiggestellt. Am Abend des 12.10.1707 begann die erste Hüttenreise des Holzkohlenhochofens als eines zunächst staatlichen Eisenwerkes unter der Leitung von Alberti. Zur Umwandlung des Roheisens in Schmiedeeisen wurde 1709 ein neu errichteter Eisenhammer mit Frischherd in Betrieb genommen.
Noch trat die Familie Buderus nicht auf den Plan, so dass Graf Friedrich Ernst die Hütte 1716 weiter verpachtete. Dieser Pächter benötigte einen Verwalter. Den fand er in Johann Wilhelm Buderus I, der 1717 die kaufmännische und technische Leitung der Friedrichshütte übertragen bekam. Buderus arbeitete mit großem Engagement und obwohl er lediglich Verwalter war, steckte er erhebliche eigene Mittel in den Betrieb des Eisenwerks, das neben dem Holzkohlenhochofen und Gießereibetrieb seit 1718 über zwei Eisenhämmer verfügte. Bereits 1729 gehörte ihm der größte Teil des Betriebskapitals der Friedrichshütte. Er war damit bereits de facto Chef der Eisenhütte, und als 1730 der Pachtvertrag ablief, konnte Johann Wilhelm Buderus I endlich seinen Traum vom eigenständigen Hüttenunternehmer verwirklichen.

Die ersten beiden Generationen (1731-1806)

Am 14.03.1731 bezahlte Johann Wilhelm Buderus I die von Neuburger gestellte Kautionssumme und damit die Pachtung der Friedrichshütte und der dazugehörigen Hämmer (Hessenbrücker Hammer und Oberhammer), die auf ihn übergingen. Dieses Datum zählt seitdem als Firmengründung. Am 26.06.1734 schloss Buderus dann einen neuen Pachtvertrag mit dem Grafen.
Buderus starb am 23.06.1753, nachdem er 22 Jahre lang Hüttenpächter gewesen war. Am 10.12.1753 wurde ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen, der die zweite Ehefrau von Johann Wilhelm, Elisabetha Magdalena Buderus (geborene Nies), als Leiterin der Friedrichshütte anerkannte. Die Witwe hatte die schwere Bürde, das Unternehmen durch die Wirren des 1756 ausgebrochenen Siebenjährigen Krieges zu führen. Der Erhalt des Unternehmens Buderus ist also nur einer Frau zu verdanken, zweifellos einer außerordentlichen Frau, die als Pfarrerstochter die Tugenden der protestantischen Ethik verinnerlicht hatte. Sie kümmerte sich nicht nur um die Gegenwart, sondern auch um die Zukunft des Familienunternehmens, da sie nun schon damit begann ihren Sohn heranzuziehen, damit dieser bald die Hütte übernehmen konnte.
Johann Wilhelm Buderus II stieg im Januar 1762 in das Unternehmen ein, nachdem er seine hüttenmännische Ausbildung beendet hatte. Unter seiner Leitung, ab 1766 offiziell als Pächter der Friedrichshütte, sollte das Familienunternehmen aus dem begrenzten Radius eines regionalen Eisenproduzenten heraustreten, um so aus der Vogelsberger Region zu expandieren und in den Raum an Lahn und Weil vorzustoßen. Am 01.02.1779 konnte Buderus II ein weiteres Hammerwerk und zwar mit dem alleinigen Recht des Eisenverkaufs in den fünf hessischen Ämtern. Damit war ihm dort eine monopolartige Stellung gesichert. Außerdem war das Buderus´sche Unternehmen damit zum ersten Mal über die Grenzen der kleinen Grafschaft Solms-Laubach getreten. Als er 1798 die Audenschmiede im Weiltal erwerben konnte, war dies ein Ausdruck unternehmerischer Expansion. Hierbei handelte es sich um ein bedeutendes Eisenwerk im Raum Nassau-Weilburg, dem damaligen Zentrum des Eisenwirtschaftsgebietes an der mittleren Lahn.
Johann Wilhelm Buderus II starb am 01.05.1806. Er hatte Zeit seines Lebens nur das eine Ziel, das Familienunternehmen Buderus weiter zu bringen als es sein Vater, Johann Wilhelm Buderus I geschafft hatte. Sein Ziel hatte er auch erreicht. Der Nachlass seines Vaters und damit sein Startkapital betrug 710 Gulden. Als er gestorben war, wurde sein Nachlass auf 180.000 Gulden bewertet.

Die dritte Generation (1806-1840)

Nach dem Tod Johann Wilhelms ging das Unternehmen zu gleichen Teilen an seine drei überlebenden Söhne:
  • Johann Christian Wilhelm Buderus,
  • Anton Georg Wilhelm Buderus,
  • Georg Friedrich Andreas Buderus.

  • Diese schlossen sich am 02.01.1807 zur Sozietät J.W. Buderus Söhne zusammen. Nach dem Tod seiner beiden Brüder führte Georg Buderus I die Firma zunächst alleine weiter. Vor allem die Expansion war seine oberste Prämisse, und so pachtete er 1812 die Löhnberger Hütte bei Weilburg, und 1817 die Eisenhütte zu Hirzenhain. Aber auch das Hauptwerk, die Friedrichshütte, wurde modernisiert und um einen Hochofen und ein Schmelzgebäude erweitert.
    Bereits 1817 fertiggestellt war das neue Herrenhaus der Familie Buderus. Auch der Oberhammer befand sich nun im Eigentum der Familie und wurde in Georgenhammer umbenannt. Der Erwerb und die Expansion ging weiter. Georg Buderus I kaufte 1822 die Christianshütte bei Schupbach, 1824 wurde der bisherige Pachtbetrieb Schellnhausener Hammerwerk käuflich erworben. Das Werk wurde umbenannt in Louisenhammer, nach der Ehefrau Georgs. Auch der Eisenhammer, der in der Grafschaft Leiningen-Westerburg stand, ging 1830 in Familienbesitz über.
    Durch die erneute Expansion wurden weitere Familienangehörige in die Leitung des Familienunternehmens aufgenommen. 1830 stiegen drei Neffen von Georg Buderus I in das Geschäft ein:
  • Georg Carl Theodor Buderus,
  • Alexander Richard August Leberecht Theodor Moritz Buderus,
  • Friedrich Ludwig August Buderus.

  • Nunmehr wurde auch ein neuer Sozietätsvertrag zwischen Georg Buderus I und seinen drei Neffen erforderlich.

    Die vierte Generation (1840)

    Am 26.02.1840 starb Georg Buderus I in Frankfurt⁄Main. Seine Frau Louise erhielt von den Neffen eine Abfindung und so konnten diese die Anteile der Sozietät neu verteilen. Richard und Georg Buderus II erhielten jeweils 5⁄18 und Friedrich Buderus 8⁄18.
    Ein schweres und letztlich irreparables Zerwürfnis durch einen Verstoß gegen den Gesellschaftsvertrag provozierte Friedrich Buderus 1857, als er, ohne seine Mitgesellschafter vorher zu fragen auf eigene Rechnung das Blechwalzwerk „Albion“ bei Neuwied kaufte. Er versuchte immer wieder, dieses Werk dem Unternehmen einzuverleiben, doch seine Cousins waren dagegen, so dass er schließlich eine eigene Firma aufmachte, die unter dem Namen L. Fr. Buderus Germania lief.
    Eine neue Epoche in der Unternehmensentwicklung begann Anfang 1862 mit der Eröffnung der Deutz-Gießener Eisenbahn. Drei Monate vor Eröffnung der kompletten Strecke hatte die Firma Buderus Mitte Oktober 1861 die Hedwigshütte bei Lollar erworben. Sie lag an der Main-Weser-Bahn und konnte so ihre Roheisenerzeugung einfach und schnell an Abnehmer in größerer Entfernung versenden. Nunmehr bestand eine direkte Eisenbahnverbindung zwischen dem eisenerzreichen Lahngebiet und dem kohlenreichen Ruhrgebiet. Der Erzversand und der Eisenabsatz war endgültig von der Lahnregion unabhängig geworden. In Anlehnung an die Bahnlinie wurde die Hedwigshütte von Buderus in Main-Weser-Hütte umbenannt. Sie sollte zur Geburtsstätte der neuzeitlichen Entwicklung von Buderus werden. Das neue Werk wurde von 1862 an von Georg Buderus III, dem ältesten Sohn von Georg Buderus II, geleitet. Auf dem 1854 von Justus Kilian bei Lollar erbauten Werk musste Buderus zunächst neue Hochöfen errichten, da die alten unbrauchbar waren. Durch die Kokshochofeneinführung wurden die Holzkohlenhütten von Buderus überflüssig und unrentabel, so dass diese logischerweise aufgegeben wurden. 1864 nahm die Firma den ersten Kokshochofen an der mittleren und oberen Lahn in Betrieb.

    Die Auflösung der Sozietät (1870)

    Das Jahr 1870 brachte erneut große Veränderungen mit sich, denn die Familienzwiste wurden immer größer. Vor allem machte man Friedrich Buderus mit dessen eigenwilliger Handelspolitik für den Untergang verantwortlich. Von da an begannen zwei Buderus Firmen zu koexistieren, die L. Fr. Buderus Audenschmiede, da Friedrich Buderus die Audenschmiede, den größten Teil des Grubenreviers bei Weilburg und eine Abfindung in Höhe von 225.000 Mark erhielt.
    Die zweite Firma hieß Offene Handelsgesellschaft Gebrüder Buderus zur Main-Weser-Hütte bei Lollar und wurde von den Brüdern Richard und Georg weitergeführt. Die Friedrichshütte, Ursprung des Buderusschen Familienunternehmens, wurde letztlich abgestoßen, nicht weil sie nicht mehr rentabel war, vielmehr weil die Firma Buderus nicht mehr mit der Verwaltung der Grafschaft Solms-Laubach über einen neuen Pachtvertrag einig wurde. Georg Buderus II. und sein Sohn Georg Buderus III erwarben einen neuen Platz in der Nähe des Bahnhofs Wetzlar, wo sie ein neues Hochofenwerk auf Koksbasis bauten. 1871 starb Richard Buderus und seine Familie übernahm dessen Hälfte der Anteile an der OHG. Am 08.12.1873 starb das Oberhaupt der Familie, Georg Buderus II. Sein Sohn, Georg Buderus III übernahm nun die Führung der Familiengesellschaft und baute die Roheisenerzeugung aus. Sein Bruder Hugo Buderus, der 1874 als gleichberechtigter Gesellschafter in die Firma einstieg, legte sein Augenmerk hauptsächlich auf das Gießereigeschäft. Im Jahre 1878 erfolgte die Stilllegung der Christianshütte, mit deren noch vorhandenen Modellen in Lollar eine neue Gießerei aufgebaut wurde. Hier wurde ein Teil des im selben Jahr von Buderus entwickelten verarbeitet. Der Gießereibetrieb, dessen Facharbeiterstamm aus Formern der Christianshütte bestand, erwarb sich durch den Bau neuzeitlicher Zimmeröfen schnell einen guten Ruf. 1880 kauften die Gebrüder Buderus einen großen Teil des Grubenbesitzes im Raum Weilburg zurück, der während der Familienauseinandersetzung mit Friedrich Buderus diesem zugesprochen worden war. 1880 kaufte Buderus die Lahnhütte bei Gießen und produzierte dort ebenfalls Gießereiroheisen. Die Hütte hieß fortan Margarethenhütte.

    Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (1884)

    1883 stand die Familie vor einem betriebswirtschaftlichen Dilemma. Nachdem sie die Georgshütte erworben hatte, besaß sie alle Roheisenwerke an der Lahn, hatten hier also eine Monopolstellung. Doch der Preis dafür war eine horrende Verschuldung. Dann kamen in dieser Zeit auch noch die schlechten Roheisenpreise hinzu, die die Gewinne der Firma schmälerten. Das Familienunternehmen konnte so als OHG nicht mehr bestehen. Nicht ganz freiwillig, insbesondere aber aus finanzieller Not, wandelten die Gebrüder Buderus deshalb das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um. Die Mitteldeutsche Creditbank zu Meiningen verhalf mit einem Darlehen der Firma zu günstigeren Kreditkonditionen. Wilhelm Buderus starb 1888. Er hatte 16 Jahre lang die Sophienhütte geleitet.
    Um von der Familienaktiengesellschaft unabhängige Wege gehen zu können, übernahm Hugo Buderus, der stets ein Verfechter der Gießereierzeugung innerhalb des Familienunternehmens gewesen war, das Hirzenhainer Eisenwerk im Jahre 1891 in seinen Privatbesitz. Damit schied nach Friedrich Buderus ein weiteres Familienmitglied aus dem Verbund aus, um sein eigenes Unternehmen zu betreiben. Seine Firma lief unter dem Namen Eisenwerk Hirzenhain H. R. Buderus. 1895 starb Georg Buderus III, er hatte sich bis zuletzt darum bemüht, die Firma durch die Wirtschaftskrise zu manövrieren und den Familiencharakter des Unternehmens zu bewahren. Kurz vor seinem Tode stimmte er noch dem Verkauf der Main-Weser-Hütte in Lollar an ein neugebildetes Unternehmen zu, das unter der Führung von Hugo Buderus stand. Hugo wandelte 1895 das von ihm geleitete Unternehmen ebenfalls in eine Aktiengesellschaft um, diese hieß nunmehr Eisenwerke Hirzenhain und Lollar.
    Die andere Buderus-Firma des 1895 verstorbenen Georg Buderus III verlegte ihren Hauptsitz zunächst von Lollar nach Gießen, nachdem sie ihre Main-Weser-Hütte Mitte 1895 an die Eisenwerke Hirzenhain und Lollar verkauft hatte. Die Buderus´schen Eisenwerke waren nun lediglich noch ein reiner Roheisenproduzent, denn die Standorte der Weiterverarbeitung hatte Hugo Buderus nun unter seine industrielle Führung gebracht. Nach dem Tode von Georg Buderus III übernahm der Prokurist Friedrich Schiele die Leitung, da dieser noch mit der Familie Buderus verwandt war.

    Das Ende als Familienunternehmen (1896)

    Die finanzielle Lage der Aktiengesellschaft Buderus′schen Eisenwerke spitzte sich trotz des Verkaufs der Main-Weser-Hütte und der hiermit dem Unternehmen zugeflossenen Barmittel weiter zu. Folglich entschlossen sich die Hausbanken, dass die Firma saniert werden müsse. Eduard Kaiser wurde als Generaldirektor an die Spitze der Firma gestellt. Dem Kaufmann Kaiser zur Seite standen Bergwerksdirektor Ludwig Roth und Reinhard Buderus für den Hüttenbetrieb. Von 1895 an bildeten diese den neuen Vorstand der Buderus´schen Eisenwerke. Dieses Datum war das Ende des Familienunternehmens, denn zum ersten Mal führte ein Nicht-Familienmitglied die Geschäfte und Geschicke. Nach dem Ausscheiden von Reinhard Buderus aus dem Vorstand im Jahre 1896 war die Familie Buderus lediglich noch im Aufsichtsrat der Buderus′schen Eisenwerke vertreten.
    Die Börseneinführung der Buderus-Aktie erfolgte 1899 in Berlin und in Frankfurt am Main. Kaisers Ziel war es, die Nebenprodukte bei der Roheisenproduktion gewinnbringend zu verwerten, daher begann Buderus am damit, die Schlacke des Wetzlarer Hochofenwerkes zur Zementherstellung zu nutzen. Darüber hinaus bestand die Geschäftspolitik darin, das erzeugte Roheisen möglichst weitgehend im eigenen Unternehmen zu verarbeiten, um so von dem schwankenden Roheisenmarkt unabhängiger zu werden. Ab 1901 wurden in Wetzlar in einem neuerrichteten Gießereibetrieb auch gusseiserne Rohre produziert und 1902 ein ebenfalls neuerrichteter Gießereibetrieb für Spezialguss (z.B. Gehäuse für Elektromotore) eröffnet. 1903 trennte sich die Firma von Hugo Buderus in die Eisenwerke Hirzenhain Hugo Buderus und Eisenwerke Lollar A.-G. in Lollar auf. Die Eisenwerke Lollar A.-G. schlossen sich 1905 mit den Buderus´schen Eisenwerken zusammen, denn die Firmen besaßen zum großen Teil die gleichen Aktionäre, nämlich Mitglieder des Buderus-Clans. Buderus benötigte nun eine neue Gießerei für Abflussrohre. Also kaufte man die Gießerei Karlshütte bei Staffel.
    1911 starb Eduard Kaiser, Chef von Buderus. Kaiser schaffte es tatsächlich, die verlustreiche Firma zu einer AG, die konstante Dividenden zwischen 5 und 9 % abwarf, zu formen. Nach dessen Tod entschied sich der Vorstand die Buderus´schen Eisenwerke in die Buderus´sche Handelsgesellschaft umzuwandeln. Man fand in dem Bergrat Albrecht Groebler einen neuen Vorstandsvorsitzenden.

    Vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs (1914-1945)

    Ein Einschnitt für die Firma war der 1914 ausgebrochene 1. Weltkrieg. Laut einer Zählung beschäftigte die Firma Buderus am 31.07.1914 noch 8.500 Mann, doch bereits zu Kriegsbeginn, am 01.08., wurden 2.000 Mann zum Kriegsdienst eingezogen. 1915 setzte man daher erstmals Kriegsgefangene ein und ab Mai 1915 auch deutsche. Ende 1916 erreichte die Beschäftigungszahl der Kriegsgefangenen mit 1.584 Mann ihren Höchststand. Die Gesamtbelegschaft betrug 7.322 Arbeiter und Angestellte, davon 545 Frauen. Die Produktion wurde im Rahmen der Kriegswirtschaft auf die Heereslieferungen, allem voran auf die Fertigung von Munition, umgestellt. Man errichtete 1915 eine Stahlformgießerei auf dem Gelände der Sophienhütte, um Stahlguss-Granaten herstellen zu können.
    Das Ende des Krieges und die Novemberrevolution brachten neue Umstrukturierungen mit sich, nicht nur in der Produktion, sondern auch im sozialen Sektor. Außerdem baute man verstärkt neue Gießereien und dazugehörige Weiterverarbeitungsanlagen, um effizienter das selbstgewonnene Roheisen verarbeiten zu können. 1919 erwarb Buderus die meisten Anteile an der Eisenwerke Hugo Buderus GmbH und verschmolz die Westdeutsche Eisenwerke AG bei Essen mit Buderus.
    Das Inflationsjahr 1923 war auch für Buderus ein Krisenjahr, so stieg der Stundenlohn von 429 Mark am 01.01. auf 570.000.000 Mark am 01.12.1923. Außerdem kamen die Werke Kray und Staffel wegen des Einmarsches französischer und belgischer Truppen im Ruhrgebiet zum Erliegen. Außerdem wurde die Georgshütte und die Zeche Massen aufgegeben. 1926 starb Bergrat Groebler. Sein Nachfolger wurde Kommerzienrat Adolf Koehler. Im Zuge der Einsparungsmaßnahmen in der Zeit der Weltwirtschaftskrise wurden die formal noch selbständigen Eisenwerke Hirzenhain 1932 vollständig in die Buderus′schen Eisenwerke integriert. Somit kehrte die zweite Buderus Firma wieder zum Ursprung zurück.

    1928: Montage von Heizkesseln
    1928: Montage von Heizkesseln in der Main-Weser-Hütte.

    Von Bedeutung war die 1932 beschlossene Interessengemeinschaft mit der überschuldeten Hessen-Nassauischen Hüttenverein GmbH, die 1933 in Kraft trat Diese Interessengemeinschaft stärkte insbesondere den Gießereisektor von Buderus, da der Hüttenverein u.a. über sechs Gießereibetriebe verfügte. 1935 ging der Hüttenverein dann ganz in die Buderus´schen Eisenwerke auf. Dann kam erneut eine Zeit der Rüstungsproduktion, die vom Dritten Reich diktiert wurde. Von 1936 bis schließlich zum Frühjahr 1945 sollte diese Produktion laufen, mit katastrophalen Folgen für die Firma am Ende des Krieges.
    1941 starb Kommerzienrat Dr. Koehler, dessen Nachfolger als Vorstandsvorsitzender Dr. jur. Heinrich Giesbert wurde. 1944 wurde zum ersten Male das Gelände der Buderus´schen Eisenwerke in Wetzlar bombardiert. Der Angriff hatte zur Folge, dass in Wetzlar die gesamte Roheisenerzeugung zum Erliegen kam. Die anderen Abteilungen wurden trotz Bombenschäden bis Kriegsende am Laufen gehalten. Zu Beginn des Jahres 1945 konnte man feststellen, dass von den rund 8.000 Beschäftigten ca. 45 % ausländische Arbeiter waren. Etwa 70% der Produktion diente damals für Wehrmachtszwecke.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-heute)

    Als die Amerikaner Wetzlar erreichten, besetzten sie gleichzeitig am 29. März 1945 die Sophienhütte, Hauptproduktionsstandort der Firma Buderus, und die Wetzlarer Hauptverwaltung des Unternehmens. Zeitgleich kam es zum Stillstand aller Betriebe von Buderus im Lahn-Dill-Gebiet und in Oberhessen. Die Außenwerke waren während des Krieges zwar größtenteils von Bomben verschont geblieben, doch sie hatten durch die vielen Plünderungen bei Kriegsende hohe materielle Verluste zu verzeichnen und waren in ihrer Betriebsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.
    1946 konnte man den ersten Hochofen in Wetzlar wieder in Betrieb nehmen lassen, zugleich lief auch die Rohrproduktion im Wetzlarer Werk wieder an. Die Unternehmensleitung musste nun personell der neuen Situation angepasst werden, daher zog man zwei neue Vorstandsmitglieder heran, einmal Franz Grabowski und zum anderen Dr. Franz Grosser. Man konnte nun aber immer noch nicht unter normalen Bedingungen arbeiten. Erst nach der Währungsreform im Juni 1948 konnte der Betrieb in den Gießereien von Buderus wieder unter normalen Bedingungen laufen. Der Betrieb ging nun voran, 1950 wurden die neue Eisen-Kunstgießerei die Schleudergießerei in Staffel eröffnet.
    1956 übernahm Dr.-Ing. Gries die technische Leitung der Firma. Allgemein war bekannt, dass die Aktienanteile an den Buderus´schen Eisenwerken breit gestreut waren, doch im 1956 gelang es Flick über die Metallhüttenwerke Lübeck, die Aktienmehrheit von Buderus zu erwerben. So wurde Flick stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates und neues Mitglied wurde Alfred Rohde von der Lübecker Metallhüttenwerke AG.
    1964 expandierte Buderus erstmals in der Nachkriegszeit in das Ausland. Anfang 1965 wurden die Anteile der Röchling Gruppe an der Stahlwerke Röchling-Buderus AG von Buderus übernommen und von da an lief die Firma unter dem Namen Edelstahlwerke Buderus AG weiter.


    Heizwertgerät
    1962: Das erste wandhängende Heizwertgerät kommt auf den Markt, der Buderus Heizblock.

    Auch der neue Vorstandsvorsitzende ab 1967, Dr. Karl von Winckler, sah seine Zielsetzung in erster Linie darin, den Heiztechnikbereich zu stärken und übernahm auch deshalb über die Burger Eisenwerke die Majorität der Anteile an der Firma Senkingwerk in Hildesheim, die u.a. Heiz- und Kochgeräte herstellte.
    Die Hauptaufgabe der Unternehmenspolitik nach dem Ende der Wiederaufbaujahre und der Wirtschaftskrise 1966⁄67 bestand darin, den teilweise unwirtschaftlich gewordenen Gießereibereich neu zu strukturieren.. Essen-Kray war stark unter Substitutionsdruck gegenüber den Stahlbadewannen, die leichter und billiger in der Herstellung waren als die hier seit Ende der zwanziger Jahre produzierten gusseisernen Badewannen. Als erster Gießereibetrieb von Buderus im Lahn-Dill-Gebiet wurde 1974 die Wilhelmshütte im Kreis Biedenkopf stillgelegt, 1975 folgte die Amalienhütte im westfälischen Bad Laasphe und das Werk Niederscheld im Dillkreis, zugleich wurde der Gießereibetrieb im Werk Breidenbach für den Automobilguss bedeutend ausgebaut.
    Die Burger Eisenwerke AG hatte seit 1958 einen Gewinn-Verlustübernahmevertrag mit Buderus abgeschlossen, mit Wirkung von 1977 ging das Burger Unternehmen in Buderus auf.
    1977 beschloss die Hauptversammlung das Grundkapital der Firma um 18.875.000 DM auf 85.625.000 DM zu erhöhen. Zugleich wurde der Name der Firma geändert in Buderus Aktiengesellschaft. Mit dem Ausblasen des letzten Hochofens in Wetzlar endete 1981 die Epoche der Roheisenerzeugung bei Buderus, nachdem der Erzbergbau der Buderus-Gruppe mit der Stilllegung der Grube Falkenstein bei Oberscheld bereits 1973 zum Erliegen gekommen war. In der Zeit von 1985 bis 1991 gehörte Buderus zur Feldmühle Nobel AG, in die Friedrich Karl Flick seinen industriellen Besitz eingebracht hatte. Nachdem eine Tochtergesellschaft der Metallgeschaft AG, die Metallgesellschaft Industriebeteiligungen AG, die Nicht-Papier-Aktivitäten der Feldmühle Nobel AG zum 01.01.1992 übernommen hatte, wurde das Grundkapital von Buderus noch 1992 erhöht und 20 % der Aktien an der Börse platziert. Im Juni 1994 brachte die Metallgesellschaft infolge ihrer Ende 1993 eingetretenen finanziellen Schieflage ihren Aktienbesitz an Buderus vollständig an die Börse. Seitdem galt Buderus als Übernahmekanditat. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts begann die Robert Bosch GmbH damit, Aktien der Buderus AG aufzukaufen. 2003 unterbreitete Bosch ein öffentliches Übernahmeangebot. Bosch erreichte einen Anteil von 97,16 Prozent und durch Squeeze-out 100 % an Buderus. Am 02.08.2004 wurde die BBT Thermotechnik GmbH in das Handelsregister eingetragen, die Buderus Heiztechnik GmbH firmierte damit unter diesem neuen Namen. Am 11.08.2004 wurde die Einbringung des Geschäftsbereichs Thermotechnik der Robert Bosch GmbH in das Handelsregister eingetragen und damit rechtswirksam.


    Buderus Heizkessel
    Buderus Heizkessel

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