EICHBAUM-BRAUEREIEN AKTIENGESELLSCHAFT

Aktie Eichbaum-Brauereien

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Worms, Januar 1974, # 031197

Abb. Vignette mit einer alten Eiche als Firmensignet.
Auflage: 10.924 St.

Aktie über 100 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Worms, Januar 1974, # 026708

Abb. Vignette mit einer alten Eiche als Firmensignet.
Auflage: 36.331 St.

Aktie über 1.000 DM, DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel
Worms, Januar 1974, # 200653

Abb. Vignette mit einer alten Eiche als Firmensignet.
Auflage: 8.560 St.

Die Wertpapiere stammen aus meiner Sammlung und sind unverkäuflich.
In dieser Auflistung fehlende Papiere besitze ich noch nicht, gerne erwarte ich Ihre Angebote.

Unternehmensgeschichte

Anfänge

Bier galt in Mitteleuropa seit alters her als ein geschätztes und weit verbreitetes Genuss-, wenn nicht gar Grundnahrungsmittel. So wundert es kaum, dass der Gerstensaft auch in der Geschichte Mannheims von Kindesbeinen an eine wichtige Rolle spielte. Bereits im Lorscher Kodex findet sich eine Stelle, der zufolge ein Mannheimer Bauer „situlas XV de cervisa“, mithin 15 Eimer Bier, als jährliche Abgabe an das Kloster Lorsch zu entrichten hatte.
800 Jahre später, in den ersten Stadtprivilegien von 1607, unternahm Kurfürst Friedrich IV. den Versuch, unter anderem mit der Senkung der Biersteuer das Mannheimer Wirtschaftsleben und sicherlich auch das Leben in den Wirtschaften zu fördern. Diese Politik wurde von seinem Nachfolger Karl Ludwig aufgegriffen.


Geburtsurkunde der Eichbaum-Brauereien

Die Geschichte der Brauerei Eichbaum begann am 03.10.1679, als der Mannheimer Stadtrat dem wallonischen Bierbrauer Jean de Chèsne (Chaine) eine Konzession zur Führung einer Brauerei und Schankwirtschaft verlieh. Zur damaligen Zeit gab es in Mannheim rund 25 Brauereien. Angelehnt an seinen Namen (chêne bedeutet Eiche) gründete der Bierbrauer in der Mauritzgasse die Schankwirtschaft „Zum Aichbaum“. Die vollständige Zerstörung der Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg beendete 1689 dieses erste Kapitel der Brauerei.
Dem Bierbrauer Johannes Blanckart war es zu verdanken, dass die Eichbaum-Brauerei rund zwei Jahrzehnte später zu neuem Leben erwachte. Im Jahr 1717 erwarb der gebürtige Hanauer das Schildrecht des ehemaligen „Aichbaum“ für seine neue Brauerei im Quadrat P5, die unter dem Namen „Zum grünen Eichbaum“ firmierte. Bald profitierte auch er vom wirtschaftlichen Boom, der ab 1720 durch die Verlegung der kurpfälzischen Residenz nach Mannheim und dem Schlossbau einsetzte. Die Beliebtheit von Blanckarts Schenke bei den Mannheimer Bürgern war bald so groß, dass sie Mitte des 18. Jahrhunderts umfassend renoviert und bedeutend vergrößert werden musste. Damit bekam die Brauerei eine Basis, um auch die ab 1780 einsetzenden wirtschaftlich kargen Jahre zu überleben.

Industrialisierung und Expansion

Neue Perspektiven ergaben sich in der Zeit ab 1830, die als Schlüsselepoche in der Geschichte der Eichbaum-Brauerei gesehen werden muss. Mit der Bereitschaft zur ökonomischen und technischen Expansion, mit mutigen Standortentscheidungen und kaufmännischem Geschick wurde in den folgenden Jahren der Grundstein dafür gelegt, dass Eichbaum von der kleinen Hausbrauerei zur überregional bedeutsamen Großbrauerei heranreifen konnte. Es war der Schriesheimer Heinrich Forschner, seit 1827 neuer Besitzer der Brauerei, der noch vor Fertigstellung der neuen Neckarbrücke mehrere Äcker jenseits des Flusses kaufte, um dort in einem zehn Meter tiefen Keller das Bier über Sommer zu lagern. Dieser Sommerbierkeller wurde zur Keimzelle des umfangreichen Firmengeländes der Eichbaum-Brauerei im späteren Stadtteil Wohlgelegen. 1850 kam es zur Gründung als „Brauerei zu den zwölf Aposteln“. Forschners Nachfolger, die Gebrüder Hofmann, entschlossen sich in den 1870er Jahren dazu, die gesamte Brauerei jenseits des Neckars zu verlegen und das Stammhaus ausschließlich als Schankwirtschaft zu führen. Dabei erwiesen sie sich technisch als äußerst innovativ und setzten frühzeitig auf den Einsatz von Kältemaschinen. Damit konnte der Brauereibetrieb völlig von den Launen der Witterung unabhängig gemacht und das ganze Jahr über Bier frisch gehalten werden.
Um weitere Investitionen zu finanzieren wurde die Eichbaum-Brauerei in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Der Erfolg dieses Schrittes konnte sich sehen lassen. 1886 wurde beim Bierabsatz erstmals die „magische“ Zahl von 100.000 hl überschritten. 1910 zählte Eichbaum zu den hundert größten Brauereien im gesamten Deutschen Reich.


Brauerei um 1909

Dieser positiven Entwicklung setzte der 1. Weltkrieg ein Ende. Der kriegsbedingte Absatzrückgang verschärfte sich nach 1918 durch die alliierte Besetzung des linken Rheinufers, wodurch die Brauerei von zahlreichen Kunden abgeschnitten wurde. Eichbaum arrangierte sich schließlich mit dieser Situation, indem es eine strategische Partnerschaft mit der Wormser Werger-Brauerei-AG einging, die künftig den Bierabsatz links des Rheines übernahm. Diese Zusammenarbeit führte 1929 zu einer Fusion zur „Eichbaum-Werger-Brauereien AG“ mit Sitz in Worms.

Zerstörung

Der aufkommende Nationalsozialismus ließ den Bierabsatz der Eichbaum-Brauereien einbrechen, da ein beträchtlicher Teil des Grundkapitals von jüdischen Aktionären gehalten wurde. Dies war Grund genug für öffentliche Stellen, die Brauerei bei der Vergabe öffentlicher Aufträge solange auszuschließen, bis Anteile der jüdischen Aktieninhaber 1936 „arisiert“ wurden und die jüdischen Anteilsinhaber aus dem Unternehmen heraus gedrängt worden waren. Nur langsam kletterten die Absatzzahlen nach oben, 1938⁄39 konnte erstmals wieder die 100.000-Hektolitermarke überschritten werden. Ein drastischer Einbruch des Ausstoßes kam mit dem 2. Weltkrieg. Fehlende Arbeitskräfte, vor allem aber die ständigen Luftangriffe wirkten sich verheerend aus und brachten die Produktion 1944⁄45 völlig zum Erliegen.

Wiederaufbau

Schon kurze Zeit nach Kriegsende konnte der Braubetrieb wieder aufgenommen werden. Äußerst positiv wirkte sich dabei aus, dass die Eichbaum als „Brewery number one“ zunächst ausschließlich für den Bedarf der amerikanischen Armee brauen durfte. Dank dieser einseitigen Kundenausrichtung der Brauerei ging der Wiederaufbau des Geländes zügig vonstatten. Mit der Währungsreform 1948 durfte Eichbaum-Bier wieder an die Zivilbevölkerung ausgeschenkt werden.
Eichbaum wurde einer der prosperierenden Mannheimer Betriebe der Wirtschaftswunderzeit. Mit neuen Produkten wie dem 1952 eingeführten Pils gelang es, den Absatz kontinuierlich zu steigern. 1957 wurde erstmals die bisherige Rekordmarke von 300.000 hl aus dem Jahr 1928⁄29 übersprungen. Neue Vertriebsformen sowie professionelles Marketing, u.a. 1969 der Werbespruch „Eichbaum braut die urigsten Biere“, erschlossen neue Kundenkreise und steigerten den Absatz.

Eigentümerwechsel und Restrukturierungen

Doch auch erste Krisen machten sich bemerkbar. In der Chefetage des Unternehmens ging es insbesondere in den 1970er und 1980er Jahren recht turbulent zu.
1970 wurde das Unternehmen durch die Frankfurter Henninger-Gruppe übernommen. 1972 firmierte das Unternehmen in Eichbaum-Brauereien AG um. 1973 wurde die Brauerei Durlacher Hof AG in Mannheim durch Verschmelzung aufgenommen. Sparmaßnahmen führten 1978 zur Schließung der Wormser Betriebsstätte, der Hauptsitz der Eichbaum-Brauerei wurde zurück nach Mannheim verlegt.
Auf Grund finanzieller Schwierigkeiten, die zur Insolvenz des Henninger-Eigentümers, der Gebr. März-Gruppe führten, brach die Henninger-Gruppe Ende der 1990er Jahre auseinander. Der SAP-Gründer Dietmar Hopp sprang 1998 bei dem Unternehmen ein und führte es mit einigen Zukäufen unter das Dach des Getränkeunternehmens Actris. 2006 gingen die Eichbaum-Brauereien samt der Beteiligung an den Pirmasenser Park & Bellheimer Brauereien sowie der Odenwald-Quelle in Heppenheim, im Rahmen eines Management-Buy-outs an zwei Vorstandsmitglieder der Actris über.


Bierkutsche

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