Das Kulmbacher Bierfest
Das erste Bierfest überhaupt fand im Jahre 1939 vom 29.07.-06.08. statt. Als Motiv wurde im Vertrag, der damals eigens für diese Veranstaltung abgeschlossen wurde, folgendes angegeben: „Wir wollen werben für Kulmbach, die schöne Stadt mit ihrer herrlichen Burg, wir wollen aber auch werben für unsere erstklassigen Erzeugnisse, hier in erster Linie für unser Kulmbacher Bier und unsere Wurstwaren.“ Damals allerdings veranstalteten nicht wie später die Brauereien das Großereignis, vielmehr wurde es vom heimischen Verkehrsverband durchgeführt und die Brauereien waren lediglich Vertragspartner. Außer den Brauereidirektoren wurden als Gegenüber des Verkehrsverbandes auch noch die Festwirte, die Firma Sauermann, die Metzgerinnung sowie der Einzelhandel erwähnt. Der Gewinn wurde bei Vertragsabschluß nicht an die erste Stelle gestellt, denn im Vordergrund stand, die Werbung für die Stadt. Die Vertragspartner legten außerdem fest, dass die Finanzierung auf freiwilligen Beiträgen der Ausrichtenden ruhen sollte. Die Brauereien mussten demnach je zweitausend Reichsmark, die Festwirte je vierhundert Reichsmark als Budenpacht zahlen. Die Firma Sauermann und die Metzgerinnung Kulmbach entrichteten für einen Fleisch- und Wurstwarenstand jeweils fünfhundert Reichsmark, die Firma Karl Wunder nochmals vierhundert Reichsmark. Der Lieferpreis des extra eingebrauten Festbieres belief sich auf 45 RM pro Hektoliter, der Ausschankpreis auf 80 RM pro Hektoliter. Von diesen 80 RM mussten die Wirte jedoch noch 15 RM pro Hektoliter an den Verkehrsverein entrichten, wobei davon ausgegangen wurde, dass insgesamt 60 Hektoliter pro Wirt ausgeschenkt wurden. Der Kasse wurden also nochmals 3.600 RM zugeführt. Demnach standen für die Durchführung der ersten Kulmbacher Bierwoche 14.600 RM zur Verfügung, für welche die Beteiligten schon vor dem Fest zur Kasse gebeten wurden.
Als Festzelt diente bis zum Jahre 1973, also bis zum Umzug des Bierfestes auf den Zentralparkplatz, ein Teil des Maizeltes der Kulmbacher Spinnerei. Es fasste rund 2.000 Personen, welche bei der Premiere der Kulmbacher Bierwoche bereits achtzig Pfennige für die Maß Bier bezahlen mussten, obwohl der durchschnittliche Stundenlohn nur etwa sechzig Pfennig betrug.
Die musikalische Ausgestaltung des ersten Bierfestes wurde den Fränkischen Dorfmusikanten übertragen. Den eigentlichen musikalischen Höhepunkt bildeten aber die Darbietungen des Bayreuther Festspielchores unter der Leitung von Chordirektor Jung. Ebenso wie diese Attraktion wurden auch die Kulmbacher Büttner für ihren Reifentanz mit großem Beifall bedacht.
Die Verantwortlichen sprachen in einem Resümee zur ersten Bierwoche von einem hohen Umsatz und davon, dass die Entwicklung des Festes ihre Erwartungen weit übertroffen hätte. Gar nicht gerne wurden allerdings schon damals Tanzende auf Tischen und Bänken gesehen. Die Bayerische Rundschau beziehungsweise die Bayerische Ostmark, wie die BR damals hieß, schrieb, dass der Auftakt zum alljährlichen Kulmbacher Heimatfest nach diesem glänzenden Ergebnis gegeben sei. Es sollte jedoch bis zum Jahre 1950 dauern, ehe es wieder ein Bierfest gab, denn im 2. Weltkrieg konnten weder die finanziellen Mittel für ein solches Fest aufgebracht werden, noch stand einem der Sinn nach Feiern. Im Jahre 1952 mussten dann die Bürger und Besucher Kulmbachs erneut auf die Bierwoche verzichten, da eine Kinderlähmungsepedemie in Kulmbach um sich griff.
Zum Jubiläum 1999 gab es ein runderneuertes Bierfest: So wurden die Stände für Speisen auf die andere Seite des Stadels, also hinter die Bühne, verlegt und das Angebot ausgeweitet. Aber nicht nur das Angebot an Speisen wurde vergrößert, auch die Weizenbier-Liebhaber kamen auf ihre Kosten.
In diesem Sinne: Ein Prosit der Gemütlichkeit! |