I.G. FARBENINDUSTRIE AKTIENGESELLSCHAFT i.L.

Liquidations-Anteilschein der IG Farben

Liquidations-Anteilschein über 100 RM, 21 cm x 21 cm, Restkupons Nr. 6-10 unten anhängend, nicht entwertet
Frankfurt am Main, März 1953, # 012400

Abb. Vignetten mit den Chemikern Liebig, Wohler, Kekule und Hofmann.
dito niederländischer Steuerstempel von 1954 vorderseitig und rückseitig, Restkupons Nr. 7-10 unten anhängend, # 014288

Liquidations-Anteilschein über 200 RM, 21 cm x 21 cm, Restkupons Nr. 7-10 unten anhängend, nicht entwertet
Frankfurt am Main, März 1953, # 302825

Abb. Vignetten mit den Chemikern Liebig, Wohler, Kekule und Hofmann.

Liquidations-Anteilschein über 1.000 RM, 21 cm x 21 cm, Restkupons Nr. 7-10 unten anhängend, nicht entwertet
Frankfurt am Main, März 1953, # 2364609

Abb. Vignetten mit den Chemikern Liebig, Wohler, Kekule und Hofmann.
dito niederländischer Steuerstempel von 1954 vorderseitig und rückseitig, # 2263235

Die Wertpapiere stammen aus meiner Sammlung und sind unverkäuflich.
In dieser Auflistung fehlende Papiere besitze ich noch nicht, gerne erwarte ich Ihre Angebote.

Unternehmensgeschichte

Entstehung

Mit der Erfindung der Teerfarben erfolgte in Deutschland die Gründung der großen chemischen Fabriken. Bereits 1877 erreichte der deutsche Anteil die Hälfte der Welterzeugung an Farbstoffen.
Die erste Interessen-Gemeinschaft der deutschen Teerfarbenindustrie entstand 1904. Initiator war der damalige Vorstandsvorsitzende der Firma Friedrich Bayer, Carl Duisberg. Er hatte 1903 auf einer Reise in den USA die dortigen Trusts kennengelernt. Nach seiner Rückkehr verfasste er eine Denkschrift zur Vereinigung der deutschen Teerfarbenfabriken. Nach seiner Auffassung wurde die Konkurrenzsituation der Industrie durch Preisdruck und unlautere Wettbewerbsmethoden nachteilig beeinflusst. Um „die Schäden der Konkurrenz zu beseitigen ohne ihre Vorteile zu verlieren“, schlug er die Bildung eines deutschen Farben-Trusts vor.
Die fünf in Frage kommenden Wettbewerber, neben Bayer noch Agfa, BASF, Farbwerke Hoechst, Cassella Farbwerke Mainkur und die Chemische Fabrik Kalle, standen einer Bündelung ihrer Interessen durchaus aufgeschlossen gegenüber, waren aber nicht an einem Zusammenschluss nach amerikanischem Vorbild unter Aufgabe ihrer Selbständigkeit interessiert.

Logo des Unternehmens

Als Ergebnis von Duisbergs Initiative bildeten sich 1904 zwei Unternehmensblöcke. Agfa, BASF und Bayer schlossen sich zum Dreibund zusammen, der sich zunächst auf Erfahrungsaustausch und Verzicht auf Konkurrenz durch gemeinsame Produkte beschränkte. Etwas weiter gingen kurz darauf die Farbwerke Höchst und Cassella, die einen durch wechselseitige Kapitalverflechtungen und Lieferbeziehungen geprägten Zweibund schlossen, der 1907 durch den Beitritt der Chemischen Fabrik Kalle zum Dreierverband wurde. Eine Verknüpfung zwischen beiden Unternehmensblöcken bestand in Form der Indigo-Konvention, einer im Herbst 1904 getroffenen Marktabsprache zwischen BASF und den Farbwerken Höchst.

Gründung der I.G. Farbenindustrie AG

Nach dem Krieg waren die deutschen Filialbetriebe im Ausland verloren, die Farbenproduktion weitgehend in ausländischer Hand. Die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit und die folgende Inflation bewirkten, dass sich die Firmen noch enger zusammenschlossen, was letztendlich zur Gründung der I.G. Farbenindustrie AG führte. 1925 schlossen sich die größten Firmen der deutschen Chemieindustrie zur I.G. Farben zusammen. Die Namen der fusionierten Firmen blieben durch Eintragung als Zweigniederlassung erhalten und die Unternehmen behielten weitgehend ihre Kompetenzen. Zentralisiert wurden in erster Linie Abteilungen wie Finanzen, Zentraleinkauf, Buchhaltung etc. Die Gesellschaft entwickelte sich zum größten Unternehmen Deutschlands und zu einem der führenden Chemie-Unternehmen der Welt.
Das Stammkapital betrug nach der Fusion 1926 rund 1,1 Mrd. RM, die Anzahl der Beschäftigten über 80.000. Der Konzern war führend in der Luftstickstoffindustrie sowie in der Erzeugung von Teerfarben, Sprengstoffen und Fasern.

Die I.G. Farben und der NS-Staat

Eingang bei IG Farben im 3. Reich

Was als reine wirtschaftlich notwendige Maßnahme begann, entwickelte sich unkontrolliert zu einem der schlimmsten Helfershelfer des Nazi-Regimes.
Beim Geheimtreffen vom 20.02.1933 auf dem eine Gruppe von Industriellen einen Wahlfond von 3 Mio. RM für die NSDAP beschlossen, nahm als Vertreter der I.G. Farben das Vorstandsmitglied Georg von Schnitzler teil. Die I.G. beteiligte sich an diesem Wahlfond mit 400.000 RM. Die neue Regierung schloss dafür noch 1933 mit der I.G. Farben einen Vertrag über Absatz- und Mindestpreisgarantie für 350.000 t synthetisches Benzin und bewahrte so das Unternehmen vor insgesamt 300 Mio. RM Verlust. Bis 1937 waren nahezu alle Direktoren der I.G. Mitglied der NSDAP. Die Aufsichtsratsmitglieder der I.G. nannten sich im internen Kreis „Der Rat der Götter“.
Die I.G. Farben expandierte stark, auch durch „Arisierungen“. Ihr gehörten zu Spitzenzeiten in Deutschland 200 Werke, sowie etwa 400 deutsche und 500 ausländische Unternehmensbeteiligungen. Aufgrund dieser Expansion wurde die I.G. Farben seinerzeit das größte Unternehmen Europas und das viertgrößte der Welt. Mit der Stickstoffproduktion zur Herstellung von Munition, Buna (einem synthetischen Kautschukersatz), sowie synthetischem Benzin waren so vor dem und im 2. Weltkrieg höchst profitable Geschäfte zu machen. Weitere bekannte Produkte von I.G. Farben waren u.a. der Kunststoff Perlon und der Nervenkampfstoff Tabun.

Zweiter Weltkrieg und der Weg nach Auschwitz

Von den 43 Hauptprodukten der I.G. während des Krieges waren 28 Produkte von rüstungswirtschaftlicher Bedeutung. Die I.G. Farben übernahm eine Reihe von Chemiewerken in den besetzten Gebieten, wie die in jüdischem Besitz befindlichen Skoda-Werke Wetzler.
Eine Tochtergesellschaft der Degussa AG und der I.G. Farben, die Firma Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), vertrieb das Schädlingsbekämpfungsmittel Zyklon B, das in den Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zum Massenmord eingesetzt wurde.
Der starke Bedarf an Rohstoffen zur Kriegsführung, wie Synthetikkautschuk und -benzin, führte 1941 zur Errichtung einer großen Bunafabrik in Auschwitz. Die Finanzierungskosten in Höhe von ca. 1 Mrd. RM trug die I.G. Farben allein, um so Herr im eigenen Haus bleiben zu können. Für die Häftlinge, welche die Fabrik bauen mussten, wurde extra das Konzentrationslager Monowitz, Auschwitz III errichtet.
Die Wahl von Auschwitz für den Betrieb der Fabrik war eher zufällig. Während Himmler über die Eignung von Auschwitz als Ort für eine östliche Modellsiedlung nachsann, fiel die Wahl von Dr. Ambros, einem Direktionsmitglied der Firma, völlig unabhängig von diesen Plänen auf dieselbe Region. Dabei dachte er an die für den Betrieb der Fabrik benötigten 525.000 Kubikmeter Wasser⁄Stunde, an eine gute Eisenbahnanbindung und den geforderten luftgesicherten Raum. Himmler wollte beim Aufbau seiner Kolonien im Osten große Mengen von Zwangsarbeitern einsetzen und die I.G. Farben konnte nun auf diese im großen Umfang zurückgreifen, da man große Bedenken hatte, ob die Region den nötigen Komfort für die anfangs gedachten deutschen Arbeiter bieten könne. Man ging eine unheilvolle Symbiose ein. Die SS war für die Verfügbarkeit und Bewachung der Gefangenen zuständig und die I.G. würde die Investitionen tätigen und das Baumaterial heranschaffen. Beim Bau und Betrieb dieser riesigen Fabrik, die eine Fläche von ungefähr 30 km² einnahm, ließen nach Schätzungen 20.000 bis 25.000 Menschen ihr Leben. Die Anlage sollte aufgrund des Kriegverlaufs nie Kunstkautschuk oder andere synthetische Stoffe (außer Methanol) produzieren. Dies resultierte unter anderem daraus, dass die immensen Anstrengungen zur Herstellung von synthetischen Produkten zu einem Verbund voneinander abhängiger Fertigungsanlagen geführt hatte, welche äußerst anfällig für Bombenangriffe waren.

Auflösung nach 1945

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 verlor die I.G. Farben wieder wesentliche Teile ihres Absatzgebietes und ihre Produktionsstätten im Ausland. Nach dem Krieg wurde das gesamte Vermögen von den Siegermächten beschlagnahmt und unter alliierte Verwaltung gestellt.

Protest gegen I.G. Farben

Ziel war es, rüstungswirtschaftlich bedeutsame Unternehmen aufzuspalten bzw. durch Demontagen zu zerstören. Hintergrund dieser Maßnahme war, Deutschland hierdurch dauerhaft das rüstungswirtschaftliche Potenzial zu entziehen, das die Feldzüge des 2. Weltkriegs erst ermöglicht hatte. Die Alliierten gründeten für das größte und rüstungswirtschaftlich bedeutsamste Chemieunternehmen ein eigenes Kontrollorgan, die Alliierte I.G.-Farbenkontrolle. Mit dem Befehl 124 der SMAD vom 30.10.1945 hatte die UdSSR die Werke der I.G. Farben in ihrer Besatzungszone unter ihre Kontrolle gestellt. Auf Grund der Verflechtung des Konzerns vor allem mit den Nachfolgeunternehmen der mächtigen amerikanischen Standard Oil wurde die Zerschlagung des Konzerns in den westlichen Besatzungszonen jedoch nicht konsequent verfolgt.
So wurde zum 01.01.1952 der überwiegende Teil des in der Bundesrepublik liegenden Vermögens aufgeteilt in die fünf Nachfolgegesellschaften:
- Farbenfabriken Bayer AG, Leverkusen
- Badische Anilin- & Soda-Fabrik AG, Ludwigshafen
- Farbwerke Hoechst AG, vorm. Meister, Lucius und Brüning, Höchst
- Cassella Farbwerke Mainkur AG, Frankfurt
- Chemische Werke Hüls GmbH, Marl
Für das nicht an die Ursprungsfirmen zurückübertragene Restvermögen im Wert von ca. 1.400 Mio. RM erhielten die Aktionäre Liquidations-Anteilscheine.
Am 01.01.1952 trat die I.G. In Liquidation und nannte sich I.G. Farbenindustrie AG i.L.. Durch das Liquidationsschlussgesetz vom 21.01.1955 wurde die I.G. Farben aus der Kontrolle der Alliierten genommen. Nach der folgenden Hauptversammlung am 27.05.1955 befand sich die I.G. Farben jahrzehntelang in Abwicklung. Ihre einzige Aufgabe war es, alte Ansprüche zu verwalten und die rechtliche Verantwortung zu übernehmen. Ehemalige Zwangsarbeiter sowie einige Aktionäre forderten immer wieder, dass das Unternehmen endgültig aufgelöst und sein Kapital für Entschädigungen verwendet würde.
Am 10.11.2003 meldeten die Liquidatoren der I.G. Farben Insolvenz an. Grund waren finanzielle Schwierigkeiten der Beteiligungsgesellschaft WCM.


Haupteingang
Der Haupteingang des IG Farben-Hauses 2003

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