SIEMENS & HALSKE AKTIENGESELLSCHAFT

Halbzertifikat einer Siemens & Halske-Aktie

Halbzertifikat Lit. B für eine Stammaktie über 100 DM, DIN A 4 hoch, ohne Kupons, lochentwertet
Berlin und München, Dezember 1950, # 016076

Nach der Neufestsetzung des Grundkapitals und Durchführung der Wertpapierbereinigung konnte gegen Rückgabe von zwei dieser Halbzertifikate eine Stammaktie à 100 DM bezogen werden.
Diese interessante Konstruktion ist so von keiner anderen Gesellschaft bekannt.

Zertifikat Lit. A für eine Stammaktie über 100 DM, DIN A 4 hoch, ohne Kupons, lochentwertet
Berlin und München, Dezember 1950, # 035434

Nach der Neufestsetzung des Grundkapitals und Durchführung der Wertpapierbereinigung konnte gegen Rückgabe dieses Zertifikates eine Stammaktie à 100 DM bezogen werden.
Diese interessante Konstruktion ist so von keiner anderen Gesellschaft bekannt.

SIEMENS AKTIENGESELLSCHAFT

Aktie Siemens

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 1-20 (inkl. Erneuerungsschein), perforiert „Muster“, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, Oktober 1966, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, Kupons Nr. 6-20 (inkl. Erneuerungsschein), Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, lochentwertet
Berlin und München, April 1969, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 50 DM, DIN A 4 quer, Kupons auf Rückseite gedruckt, Muster auf normalem Papier ohne Prägedruck, ansonsten nicht entwertet
Berlin und München, April 1975, # 000000

Abb. Werner von Siemens.
Nach Aussage von Siemens sind die originalen Aktien eingezogen und leider vernichtet worden. Die Musteraktien repräsentieren die originalen Aktien und wurden ausgegeben um Sammlerinteressen und Nachfragen zu befriedigen.

Aktie über 2.500 DM (50x50), DIN A 4 quer, ohne Kupons, perforiert „Muster“, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, April 1975, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 5 DM, DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 41-60 (inkl. Erneuerungsschein), Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, April 1996, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 50 DM (10x5), DIN A 4 quer, ohne Kupons, lochentwertet im Siegel und druckentwertet rückseitig
Berlin und München, April 1996, # 1070125

Abb. Werner von Siemens.
dito Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, kompletter Kuponbogen Nr. 41-60 (inkl. Erneuerungsschein), lochentwertet, # ohne Nummer

Aktie über 500 DM (100x5), DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 41-60 (inkl. Erneuerungsschein), Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, April 1996, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 5.000 DM (1.000x5), DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 41-60 (inkl. Erneuerungsschein), Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, April 1996, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Aktie über 100.000 DM (20.000x5), DIN A 4 quer, kompletter Kuponbogen Nr. 41-60 (inkl. Erneuerungsschein), Muster, aufgedruckt „wertlos“ rückseitig, ohne Kontrollunterschrift, lochentwertet
Berlin und München, April 1996, # ohne Nummer

Abb. Werner von Siemens.

Optionsschein Siemens

Inhaber-Optionsschein ausgegeben mit einer Optionsschuldverschreibung über 200 DM der 5 ½ % DM- Optionsanleihe für 1 Stammaktie im Nennbetrag von je 50 DM, DIN A 4 hoch, Kupons A-D unten anhängend, lochentwertet
Berlin⁄München, April 1972, # 190117

Abb. Werner von Siemens.

SIEMENS EUROPA-FINANZ AG

Teilschuldverschreibung Siemens

7 % Inhaber-Teilschuldverschreibung, über 1.000 DM, DIN A 4 hoch, ohne Zinsscheine, November, 2 S., lochentwertet im Siegel
Luxemburg, Oktober 1966, # 057765

Abb. Vignette Werner von Siemens.

Die Wertpapiere stammen aus meiner Sammlung und sind unverkäuflich.
In dieser Auflistung fehlende Papiere besitze ich noch nicht, gerne erwarte ich Ihre Angebote.

Unternehmensgeschichte

Unternehmensgründung und erste Expansion (1847-1865)

Werner Siemens, seit 1888 Werner von Siemens, wurde 1816 in Lenthe bei Hannover geboren. Da die wirtschaftliche Situation seiner Familie ihm kein Universitätsstudium ermöglichte, trat er 1835 in die preußische Armee ein. An der Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin absolvierte er eine dreijährige Fachausbildung in Mathematik, Physik, Chemie und Ballistik. 1842 erhielt er für sein Verfahren der galvanoplastischen Vergoldung und Versilberung ein erstes preußisches Patent. Sein jüngerer Bruder Wilhelm konnte diese Erfindung in England kommerziell nutzen.


Siemens als Offizier
Siemens als Offizier

1843 ordnete der preußische Generalstab Versuche an, die bis dahin optische durch elektrische Telegrafie zu ersetzen. 1846 gelang es Werner von Siemens, den Wheatstoneschen Telegrafen zu verbessern. Mit einfachen Mitteln – Zigarrenkisten, Weißblech, Eisenstückchen und isoliertem Kupferdraht - konstruierte er einen eigenen elektomagnetischen Zeigertelegrafen. Die Ausführung seines Apparates überließ er dem Mechaniker Johann Georg Halske, der von dem einfachen, aber zuverlässigen System überzeugt war. Unter dem Namen „Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske“ gründeten beide im Oktober 1847 in Berlin ihr Unternehmen. In einem Hinterhaus in der Schöneberger Straße 19 richteten sie eine kleine Werkstatt ein, den Ursprung von Siemens. Eine Woche nach der Firmengründung wurde die Konstruktion des Zeigertelegrafen in Preußen patentiert.
1847 entwickelte Werner von Siemens eine Guttaperchapresse, mit der die nahtlose Isolierung von Kupferdrähten ermöglicht wurde. Neben dem Zeigertelegrafen hatte er damit eine weitere wichtige Voraussetzung für die Entstehung des modernen Nachrichtenverkehrs geschaffen. 1848 erhielt die Firma den staatlichen Auftrag für den Bau einer oberirdischen elektrischen Telegrafenlinie von Berlin nach Frankfurt am Main. Sie wurde zum ersten großen Erfolg: Siemens gelang es, die Linie rechtzeitig zur Wahl des preußischen Königs zum Deutschen Erbkaiser fertig zu stellen. Innerhalb von weniger als 30 Jahren entstand ein weltumspannendes Telegrafennetz. Die Brüder Siemens waren daran maßgeblich beteiligt.


Siemens Panoramabild

Als das Unternehmen zu Beginn der 1850er Jahre wegen fehlender Anschlussaufträge des preußischen Staats in eine Krise geriet, sorgten Geschäfte mit Russland und England für neuen Aufschwung. 1853 begann Siemens & Halske mit dem Bau des russischen Telegrafennetzes. Die Länge dieses Netzes, das sich von Finnland bis zur Krim erstreckte, betrug etwa 10.000 km. Hierfür wurden mit der russischen Regierung Wartungsverträge abgeschlossen. Daran verdiente Siemens mehr als am Bau des Netzes selbst. 1855 gründete Werner von Siemens eine russische Zweigniederlassung in St. Petersburg, deren Leitung er seinem Bruder Carl übertrug.
Parallel dazu entwickelten sich auch die Geschäfte mit England positiv. Hierfür war Werner von Siemens‘ Bruder Wilhelm, der später nach England übersiedelte und sich Charles William Siemens nennen ließ, verantwortlich. 1858 wurde die englische Niederlassung „Siemens, Halske & Co.“ gegründet, die ab 1865 unter dem Namen „Siemens Brothers“ firmierte. Die englische Siemens-Zweigstelle beschäftigte ich vor allem mit der Herstellung und Legung von Seekabeln, die ab 1863 im ersten Siemens-Kabelwerk in Woolwich an der Themse gefertigt wurden.

Unternehmenspolitik und internationale Projekte (1865-1890)

1866 entdeckte Werner von Siemens das dynamoelektrische Prinzip, ein Meilenstein auf dem Weg zur modernen Starkstromtechnik. Damit wurde es möglich, elektrische Energie in großen Mengen wirtschaftlich zu erzeugen und zu verteilen. Bislang hatte man mittels Generatoren Strom erzeugt. Im Gegensatz zu anderen, parallel an diesem Problem arbeitenden Forschern erkannte Werner von Siemens die wirtschaftliche Bedeutung seiner Erfindung. 1867 sicherte sich Siemens die Verwertung durch Patente in Deutschland und England und stellte sie international vor. Ab Ende der 1870er Jahre trat die Starkstromtechnik ihren Siegeszug an: 1879 das Modell einer elektrischen Eisenbahn auf der Berliner Gewerbeausstellung und die erste elektrische Straßenbeleuchtung in Berlin, 1880 der erste elektrische Aufzug in Mannheim und 1881 die weltweit erste elektrische Straßenbahn in Berlin-Lichterfelde.


Erste elektrische Lokomotive von Siemens
Die erste praktisch brauchbare Elektrolokomotive der Welt von Siemens 1879

Die Entwicklung von Siemens & Halske auf dem Gebiet der Telegrafie verlief ab 1866 wieder expansiv. Für den Bau einer Telegrafenlinie von London nach Kalkutta hatte Werner von Siemens die bahnbrechende Idee, Depeschen per Induktionsstrom vollautomatisch und ohne Unterbrechung zu befördern. Die Firma erhielt den Auftrag, große Teile der 11.000 km langen Linie zu bauen. Am 12.04.1870 gelang die Sensation. In London demonstrierte William Siemens, dass der Telegrammwechsel mit Kalkutta innerhalb einer Stunde abgewickelt werden konnte. Auch die Verlegung von Seekabeln durch den Nordatlantik zwischen Europa und Amerika mit dem eigens für diesen Zweck konstruierten Kabelschiff „Faraday“ stellte eine technische Glanzleistung dar. Von nun an verbanden Kabel Kontinente. Die Bedeutung dieser Verbindungen verringerte sich erst durch die Nutzung von Radiowellen.
Um qualifizierte Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden und einen festen Arbeiterstamm zu bilden, führte Siemens schon frühzeitig zahlreiche sozialpolitische Maßnahmen ein. Eine der bekanntesten war die so genannte Inventurprämie, eine Erfolgsbeteiligung für Lohnarbeiter. 1872 gründete Werner von Siemens die Pensions-, Witwen- und Waisenkasse. 1873 erfolgte die Einführung des 9-Stunden-Arbeitstags, der 1891 auf 8,5 Stunden verkürzt wurde. Im selben Jahr wurde die gewerbliche Ausbildung von Lehrlingen eingeführt und 1893 die gezielte Fortbildung für Betriebsangehörige.
Neben Russland und England gewann Österreich immer mehr an Bedeutung. 1879 gründete Siemens & Halske in Wien eine Niederlassung für den Handel mit Südosteuropa. Der Versuch, den amerikanischen Markt zu erobern, blieb allerdings erfolglos. Die 1892 gegründete Gesellschaft wurde nach wenigen Jahren wieder gelöscht. Die Auslandsaktivitäten hatten jedoch inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass man in den 1870er Jahren damit begann, Auslandsvertreter für alle wichtigen Märkte zu etablieren.

Die zweite Unternehmergeneration (1890-1918)

Werner von Siemens zog sich 1890 aus der Leitung des Hauses zurück. Ihm folgten seine Söhne Wilhelm und Arnold, die neben ihrem Onkel Carl die Leitung des Unternehmens übernahmen. 1897 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Damit war ein wesentlicher Schritt getan, den wachsenden Kapitalbedarf der Firma zu decken.
1903 übernahm Siemens & Halske die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co., die in große Schwierigkeiten geraten war und führte sie mit ihrem eigenen Bereich Starkstromtechnik zu der Siemens Schuckertwerke GmbH zusammen. Neben dem traditionellen Geschäft der beiden Stammfirmen, der Starkstrom- und der Nachrichtentechnik, kamen entsprechend dem Fortschritt der Elektrotechnik im Laufe der Zeit immer neue Aufgabengebiete hinzu. Ziel des Unternehmens war es, alle Gebiete der Elektrotechnik zu bearbeiten. Ebenfalls 1903 gründete Siemens zusammen mit der AEG die „Gesellschaft für drahtlose Telegraphie System Telefunken“, die sich mit dem neu entstandenen Funkwesen befasste.


Firmenzeichen von Siemens-Schuckert
Firmenzeichen von Siemens-Schuckert

Das Wachstum der Firma machte eine Konzentration von Produktion und Verwaltung an einem Großstandort notwendig. 1897 erwarb man deshalb die Nonnenwiesen im Nordwesten Berlins. Bereits 1899 nahm das „Kabelwerk Westend“ seinen Betrieb auf. Bis 1913 wurden schrittweise alle betrieblichen Aktivitäten nach „Siemensstadt“ verlagert.
Ein Novum war der mit dem Aufbau dieses Industriegebiets einhergehende Aufbau einer Wohnsiedlung einschließlich deren Infrastruktur. 1914 zählte Siemensstadt bereits 7.000 Einwohner. Außerdem musste der neue Standort, an dem mehr als 20.000 Menschen beschäftigt waren, verkehrstechnisch erschlossen werden. Herausragende technische Leistungen wurden auf dem Gebiet des schienengebundenen Verkehrs erbracht. Im Mai 1896 wurde nach nur zweijähriger Bauzeit die erste Unterpflasterbahn des europäischen Kontinents in Budapest eröffnet. 1903 erzielte ein von Siemens entwickelter Schnelltriebwagen mit 210 km⁄Std. einen Weltrekord. Das bedeutendste Ereignis in der Nachrichtentechnik war 1909 die Inbetriebnahme des ersten Großstadt-Fernsprechamts mit Selbstwählbetrieb für 2.500 Anschlüsse in München-Schwabing.
Im Geschäftsjahr 1913⁄14 beschäftigte Siemens weltweit 82.000 Mitarbeiter, davon ein Viertel im Ausland. Die Firma zählte zu den wichtigsten Elektrounternehmen weltweit. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges traf die deutsche Elektroindustrie völlig unvorbereitet und schädigte deren Weltmarktstellung nachhaltig. Die Märkte brachen zusammen und die meisten der ausländischen Tochtergesellschaften wurden enteignet.

Das Unternehmen im Wandel (1918-1933)

Nach dem Tod seiner Brüder Arnold (1918) und Wilhelm (1919) wurde Carl Friedrich von Siemens, der jüngste Sohn von Werner von Siemens, „Chef des Hauses“. Diese Position hatte er bis zu seinem Tod 1941 inne.
Siemens hatte durch den 1. Weltkrieg 40 % des Firmenkapitals verloren. Ein Großteil des ausländischen Besitzes und fast alle Patentrechte waren enteignet. Die dringlichsten Aufgaben in den ersten Nachkriegsjahren bildeten die Neuorganisation der wachsenden Produktion und die Wiederbelebung des Auslandsgeschäftes. Ein Leitgedanke von Carl Friedrich von Siemens war, das gesamte Gebiet der Elektrotechnik zu bearbeiten, einzelne Arbeitsgebiete aber spezialisierten Tochter- und Beteiligungsgesellschaften zu übertragen.
So wurde das Glühlampengeschäft von Siemens, AEG und der Auer-Gesellschaft in die Osram GmbH eingebracht. Die Fabrikation von Haushalts- und Heizgeräten übernahm die Siemens-Elektrowärme GmbH. Aus der Elektrischen Bahnabteilung der Siemens & Halske AG ging die Siemens Bauunion hervor. Die Elektromedizin fand eine neue Heimat in der Siemens-Reiniger-Werke AG. Mit der Siemens Planiawerke AG entstand Europas größte Fabrik zur Herstellung von Kohleelektroden. Eine erkennbare Beziehung zum Stammbereich des Hauses blieb jedoch bei allen Ausgliederungen und Neugründungen bestehen. Ein wichtiger Faktor hierfür war ein einheitliches Erscheinungsbild, das die Zusammengehörigkeit nach außen dokumentierte. In den 1930er Jahren schuf Hans Domizlaff für Siemens einen einheitlichen werblichen Auftritt und eine firmeneigene Markentechnik.
In der Produktion wurde, besonders unter dem Einfluss von Carl Köttgen, die Fließarbeit eingeführt, die beträchtliche Rationalisierungspotenziale freisetzte und somit die Wirtschaftlichkeit der Produktion sicherte. Den größten Auslandsauftrag eines deutschen Unternehmens seit der Jahrhundertwende erhielt die Siemens-Schuckertwerke GmbH in den 1920er Jahren mit dem Bau des Shannon-Kraftwerks. Die dort erzeugte Elektrizität wurde für die Elektrifizierung des gesamten Freistaates Irland eingesetzt. 1923 gründete die Siemens-Schuckertwerke GmbH gemeinsam mit dem japanischen Konzern Furukawa die Gesellschaft Fusi Denki Seizo KK für die Herstellung elektrotechnischer Erzeugnisse in Japan.
Mit der Anerkennung der Gewerkschaften durch Staat und Arbeitgeber wurden neue Voraussetzungen für die betriebliche Sozialpolitik geschaffen. Schwerpunkt blieb die Altersversorgung, für die Werner von Siemens bereits 1872 die Grundlagen geschaffen hatte. 1927 wurde die Erfolgsprämie wieder eingeführt. Auch der betriebliche Wohnungsbau, Erholungsmöglichkeiten in betriebseigenen Erholungsheimen und die Angebote zur Freizeitgestaltung wurden neu belebt.

Nationalsozialistische Konjunktur und Kriegswirtschaft

Die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik verfolgte ab 1933 vor allem die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die „Wehrhaftmachung der deutschen Wirtschaft“. So wurde 1936 ein Vierjahresplan verkündet, um Wirtschaft und Armee in wenigen Jahren kriegsbereit zu machen. In die verstärkte Auftragserteilung durch öffentliche Stellen wurde auch die Elektroindustrie mit einbezogen und dadurch direkt oder indirekt den Zwecken der Kriegsvorbereitung unterworfen. Damit setzte ein rasches Wachstum ein, das bis zum Ende des 2. Weltkriegs anhielt. Nach dem Überfall auf Polen 1939 begann in Deutschland der langsame Übergang zur Kriegswirtschaft. Die Produktion ziviler Bedarfsartikel wurde durch den Staat eingeschränkt oder verboten, Einberufungen verursachten einen zunehmenden Arbeitskräftemangel. Immer mehr zivile ausländische Frauen und Männer wurden deshalb in der Produktion eingesetzt. Zunächst handelte es sich um freiwillige Mitarbeiter, später um Zwangsverpflichtete. Sie wurden in der gesamten deutschen Wirtschaft, also in der Industrie, in öffentlich-rechtlichen Unternehmen und in der Landwirtschaft eingesetzt. Spätestens ab dem Winter 1941⁄42 war die deutsche Wirtschaft alternativlos auf Zwangsarbeiter angewiesen.
Im Herbst 1944, auf dem Höhepunkt des 2. Weltkrieges, beschäftigte Siemens bei einer Gesamtbelegschaft von 244.000 Mitarbeitern etwa 50.000 Arbeitskräfte gegen deren Willen. Die Gesamtzahl der bei Siemens während des 2. Weltkriegs eingesetzten Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter lag allerdings höher. In den letzten Kriegsjahren wurden zahlreiche Werksanlagen, besonders in Berlin und anderen Großstädten, durch alliierte Luftangriffe zerstört. Man verlagerte deshalb die Produktion in andere Orte und Gebiete, die nicht vom Luftkrieg betroffen waren. Es galt, die Produktion kriegs- und lebenswichtiger Güter aufrecht zu erhalten. Um die Jahreswende 1944⁄45 wurde nachweislich in fast 400 Ausweich- und Verlagerungswerken gearbeitet.
Der politische, militärische und wirtschaftliche Zusammenbruch führte nach dem 20.04.1945 zur Schließung der Siemenswerke in Berlin. Nach Ende des Krieges war ein Großteil der Siemens-Gebäude und Werksanlagen total zerstört. Der Gesamtverlust, den Siemens durch den 2. Weltkrieg erlitten hatte, belief sich auf 2,58 Mrd. Reichsmark. Das waren vier Fünftel der Unternehmenssubstanz.

Wiederaufbau und Aufstieg zum Weltkonzern

Nach den Zerstörungen des Krieges und der folgenden Demontage wurden im Laufe des Jahres 1946 die ersten Fertigungsprogramme für den Bedarf der öffentlichen Versorgungsbetriebe wie Bahn, Post und Stromerzeugung aufgestellt. Bereits Ende 1945 belief sich die Beschäftigtenzahl schon wieder auf rund 40.000. Neben den Aufräumarbeiten waren Siemens-Mitarbeiter mit der Notfertigung von Gegenständen des täglichen Bedarfs wie Kohleschaufeln, Kochtöpfen und Herden beschäftigt. Bereits in den letzten Kriegsmonaten hatte Siemens in Süd- und Westdeutschland so genannte Gruppenleitungen etabliert. Sie begannen weitgehend unabhängig von der Berliner Zentrale mit dem Wiederaufbau. Die Interessen des Hauses wurden für Siemens & Halske in München und für die Siemens-Schuckertwerke zunächst in Hof, später in Erlangen sowie in Mülheim a.d. Ruhr vertreten.
Aufgrund der unsicheren politischen Lage Berlins wurde im April 1949 die Umsiedlung der Firmensitze von Siemens & Halske nach München und von den Siemens-Schuckertwerken nach Erlangen beschlossen, Berlin blieb jeweils zweiter Firmensitz. Während das Inlandsgeschäft langsam wieder anlief, blieb der Auslandsabsatz zunächst völlig unbedeutend. Dies änderte sich erst um 1955, nachdem es gelungen war, nicht nur die beschlagnahmten Auslandsgesellschaften, sondern auch die Besitzrechte an Patenten und Marken zurückzuerwerben. Auf dieser Basis wurde ein neues Vertriebssystem und verschiedene Neugründungen in Angriff genommen. Beispiele für den steigenden Exportanteil bildeten das 1956 fertiggestellte 300-MWKraftwerk San Nicolás in Argentinien oder das Landesfernmeldenetz für Saudi-Arabien. Außerdem knüpfte man wieder Kontakte mit der japanischen Fusi Denki Seizo KK und Westinghouse in Amerika. Mitte der 1960er Jahre war die frühere Weltmarktposition wieder erreicht.


Elektronische Rechenanlage
Elektronische Rechenanlage Siemens 2002 der Universität Heidelberg im Astronomischen Rechen-Institut (Betrieb vom März 1961 bis Mai 1975)

Computerzeitalter und Globalisierung

Als größtes europäisches Unternehmen der Computer-Branche entstand 1990 die Siemens-Nixdorf Informationssysteme AG (SNI), die 1999 in die Fujitsu Siemens Computers AG eingebracht wurde. Die führende Stellung auf dem Weltmarkt konnte unter anderem durch die Übernahme der britischen Firma Plessey 1991 und der amerikanischen Rolm 1992 weiter ausgebaut werden.
Ebenfalls in den USA übernahm Siemens 1998 das fossile Kraftwerksgeschäft von Westinghouse, um durch ein größeres Geschäftsvolumen und umfassende Synergien die Ertragskraft des Bereichs Energieerzeugung zu stärken. Zur weiteren Festigung der Position auf dem amerikanischen Markt, dem größten Elektromarkt der Welt, wurde die Siemens-Aktie 2001 an der New York Stock Exchange eingeführt.
Mit der Öffnung der Staaten Mittel- und Osteuropas waren die Voraussetzungen für ein stärkeres unternehmerisches Engagement geschaffen. Die Aktivitäten in der Anlagenund Medizintechnik wurden vor allem auf die Bereiche Telekommunikation, Umweltschutz und Verkehrstechnik ausgeweitet. Auch der asiatisch-pazifische Raum wurde zu einem Schlüsselmarkt für Siemens.
Um die Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter durch verstärkte Einbeziehung in den gesamten Prozessablauf zu erhöhen, verordnete sich Siemens 1993 ein „Fitnessprogramm“ mit dem Namen top (time optimized process). 1998 wurde es mit dem Einsatz konkreter Management-Instrumente zu top+ erweitert.


Das Siemens S1 war seinerzeit nicht das kleinste Handy
Das Siemens S1 war seinerzeit nicht das kleinste Handy, verfügte aber über eine hervorragende Bedienerführung, 390 g, 191x57x33 mm

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